Warum Grenzen setzen nichts mit Egoismus zu tun hat
- Claudia Weißenborn
- 20. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Kennst du das Gefühl, Nein zu sagen und dich danach schlecht zu fühlen?
Nicht weil du etwas Falsches getan hast. Sondern weil du es anders gelernt hast. Wer Nein sagt, ist schwierig. Wer Grenzen setzt, denkt nur an sich. Wer nicht mitmacht, lässt andere im Stich.
Diese Überzeugungen sitzen tief. Bei den meisten so tief, dass sie gar nicht mehr merken, wie sehr sie sich selbst dabei aufgeben.
Grenzen setzen ist kein Egoismus. Es ist Selbstverantwortung.
Es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der nur an sich denkt und jemandem, der weiß, was er geben kann, ohne sich dabei zu verlieren. Der erste nimmt. Der zweite wählt bewusst.
Wer keine Grenzen hat, gibt nicht mehr. Er verliert sich.
Ich habe das selbst erlebt. Jahre lang war ich perfekte Freundin, perfekte Mutter, perfekte Tochter, perfekte Partnerin. Für alle alles. Und irgendwann war da nichts mehr. Kein Ich. Nur noch Aufgaben, Erwartungen und ein leises Gefühl: Warum reicht das nie?
Das war kein Schicksal. Das war eine Entscheidung die ich jeden Tag neu getroffen hatte, ohne es zu merken.
Was passiert, wenn du keine Grenzen setzt
Dein Körper weiß es zuerst. Erschöpfung, die nicht weggeht. Reizbarkeit, die dich selbst überrascht. Das Gefühl, morgens schon müde aufzuwachen, obwohl du geschlafen hast.
Dann kommt der Kopf. Gedanken im Kreis. Schuldgefühle, egal was du tust. Das leise, gemeine Gefühl: Ich schaffe das nicht. Warum schaffen das alle anderen?
Und dann, irgendwann, kommt der Körper ein zweites Mal. Diesmal lauter.
Das ist dein System, das dir sagt: So nicht mehr.
Nein sagen ist eine Fähigkeit - keine Charakterfrage
Die meisten denken, Grenzen setzen ist eine Persönlichkeitsfrage. Entweder man kann es oder nicht. Das stimmt nicht.
Es ist eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten kann man lernen.
Der erste Schritt ist nicht das große Nein. Es ist das kleine, leise Innehalten: Erst mal innerlich prüfen was will ich eigentlich? Was brauche ich gerade? Was kann ich geben ohne mich dabei zu verlieren?
Diese Fragen klingen einfach. Für viele Menschen sind sie das Schwerste, was es gibt. Weil niemand sie je gestellt hat. Weil eigenes Denken, eigenes Fühlen, eigenes Erleben irgendwo auf dem Weg abhandengekommen ist.
Du hast immer die Wahl
Auch hier. Auch heute.
Nicht alles auf einmal. Nur ein kleiner Moment, in dem du innehältst und fragst: Was brauche ich gerade wirklich?
Das ist kein Egoismus. Das ist der Anfang von allem.
Finale Gedanken
Wer sich selbst aufgibt, hat am Ende nichts mehr zu geben.Nicht für andere, nicht für sich.
Grenzen setzen bedeutet nicht, die Tür zuzumachen. Es bedeutet, zu wählen, wer durch sie geht und wann.
Du hast immer die Wahl. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.
Claudia Weißenborn ist Keynote-Speakerin und Coach aus Kassel. Wenn du mehr erfahren möchtest: www.claudiaweissenborn.de


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